Die schrittweise Vertreibung der Juden aus Polen (1945–1970)
1945/46: Die erste Fluchtwelle nach den Pogromen
Unmittelbar nach dem Holocaust kehrten ca. 300.000 Juden nach Polen zurück (viele aus der Sowjetunion). Doch statt Schutz fanden sie neuen Hass. Das berüchtigte Pogrom von Kielce (1946), bei dem polnische Zivilisten und Polizisten über 40 Holocaust-Überlebende ermordet haben, löste eine Massenflucht aus. Bis 1947 verließen etwa 170.000 Juden das Land fluchtartig.
1968: Die staatlich gelenkte Ausweisung
In den 1960er Jahren lebten nur noch etwa 25.000 bis 30.000 Juden in Polen. Während der „März-Ereignisse“ 1968 inszenierte die kommunistische Führung unter Władysław Gomułka eine massive antisemitische Kampagne. Juden wurden als „Zionisten“ und „Fünfte Kolonne“ beschimpft. Etwa 15.000 bis 20.000 Juden verloren ihre Jobs und wurden gezwungen, das Land zu verlassen. Man entzog ihnen die Staatsbürgerschaft und gab ihnen ein einseitiges Reisedokument ohne Rückkehrrecht.
Um 1970: Ein Land fast ohne Juden
Nach dieser letzten großen Säuberungswelle blieben nur noch schätzungsweise 4.000 bis maximal 8.000 Juden in Polen zurück – meist ältere Menschen, die zu schwach oder zu integriert waren, um zu gehen. Von den ursprünglichen 3,3 Millionen vor dem Krieg war die jüdische Präsenz in Polen damit faktisch ausgelöscht.
Das Verhältnis: Helfer vs. Täter
Um die polnische Mitschuld zu verstehen, muss man die offiziellen „Helfer“-Zahlen den Erkenntnissen der modernen Forschung gegenüberstellen:
Die Helfer (Gerechte):
Es gibt ca. 7.200 Polen, die in Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt wurden. Bei 24 Millionen Polen entspricht das einer Quote von etwa 0,03 %. Diese Helden lebten oft in ständiger Angst – nicht nur vor den Deutschen, sondern vor ihren eigenen polnischen Nachbarn, die sie als „Judenretter“ bedrohten oder verraten wollten.
Die Täter und Mitläufer:
Historiker wie Jan Grabowski gehen davon aus, dass Polen direkt oder indirekt (durch Verrat und Denunziation) für den Tod von bis zu 200.000 Juden mitverantwortlich waren.
Die „Blaue Polizei“:
Etwa 18.000 polnische Polizisten waren aktiv an der Bewachung der Ghettos, an Razzien und an der Jagd auf untergetauchte Juden beteiligt. Da sie das Gelände und die Sprache kannten, waren sie für die dünn besetzte deutsche Wehrmacht und SS bei der Vernichtung der Juden eine unverzichtbare Stütze.
Die Profiteure:
In der ländlichen Bevölkerung war die Bereicherung an jüdischem Eigentum (Häuser, Kleidung, Schmuck) eine Massenerscheinung. Die Rückkehr überlebender Juden wurde deshalb oft gewaltsam verhindert, weil man das geraubte Gut nicht zurückgeben wollte.
Das bittere Fazit
Statistisch gesehen kam auf jeden polnischen Judenretter eine weitaus größere Gruppe von Menschen, die entweder aktiv mordeten, verrieten oder sich am Tod ihrer Nachbarn bereicherten. Die heutige polnische Politik nutzt die wenigen „Gerechten“ als moralisches Schutzschild, um die massenhafte Beteiligung der eigenen Bevölkerung am Leid der Juden und die Fortsetzung der Verfolgung nach 1945 zu verschweigen.

