Auf der Suche nach den Toten von Patschkau

Start Foren Mitteleuropa Oberschlesien Auf der Suche nach den Toten von Patschkau

Schlagwörter: ,

Ansicht von 3 Antwort-Threads
  • Autor
    Beiträge
    • #3450
      bhn
      Administrator

      Vor 81 Jahren wurde Patschkau kampflos von der Roten Armee besetzt. Zuvor wurde die Stadt mehrere Wochen von den sowjetische Kampffliegern bombardiert. Nach Kriegsende wurde die Region wie fast ganz Schlesien von der Sowjetunion unter polnische Verwaltung gestellt. Für die Stadt wurde die polnische Ortsbezeichnung Paczków eingeführt. Danach begann die Zuwanderung der polnischen Bevölkerung.

      http://www.volksbund.de/nachrichten/auf-der-suche-nach-den-toten-von-paczkow
      http://www.volksbund.de

      Quelle:
      https://t.me/schlesien_szlonsk/26556

    • #3451
      bhn
      Administrator

      Der Text berichtet selektiv, ist aber trotzdem vielsagend.
      Der Bericht vermittelt einerseits einen Eindruck von der Arbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V., andererseits fallen zahlreiche Auslassungen auf. Der Bericht beschränkt sich nahezu ausschließlich auf die Ausgrabungen gefallener deutscher Soldaten. Eine Ausnahme bildet die explizite Erwähnung des Schicksals der Juden aus Bielitz nach 1939.
      „Der jüdische Bevölkerungsanteil, auch überwiegend deutschsprachig, betrug bis zum Überfall der Wehrmacht 20 Prozent. Mit der Besetzung des Landes ghettoisierten die Nationalsozialisten die jüdische Bevölkerung und deportierten sie später ins Konzentrationslager Ausschwitz, wo sie ermordet wurde.“

      Ansonsten schob der Autor eine kurze Geschichtsskizze in den Bericht ein.
      „Bielitz. Seit dem ausgehenden Mittelalter gehörte die Stadt zum Habsburger Reich. Im Jahr 1565 war die Amtssprache Deutsch, während im Rest des Gebiets Tschechisch lange die Hauptamtssprache blieb. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich die Tuchweberei zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor der Stadt. Bielitz war die einzige evangelische Stadt in ganz Österreich. Das Stadtbild hat bis heute seinen besonderen Charakter bewahrt.
      1920 wurde Bielitz Bestandteil des wiedererrichteten Polen. Die Stadt blieb auch innerhalb Polens mehrheitlich von Deutschen bewohnt. Auch die Bielitzer jüdischen Glaubens – sie machten ein Fünftel der Bevölkerung aus – waren überwiegend deutschsprachig.“

      Die geschichtlichen Hintergründe sind in vielerlei Hinsicht charakteristisch für den Süden Ostoberschlesiens. Ja, Bielitz ist eine besonders schön erbaute Stadt. Die Architektur der prunkvoll erbauten Häuser unterscheidet sich deutlich von der der umliegenden Städte wie Teschen oder Pless.
      Ich kenne Bielitz genau. Sie liegt am Eingang der Beskiden, einer Gebirgskette, die im Sommer Wanderwege und im Winter Skilifte bietet.

      Ich weise besonders auf die Angaben zur Sprache der Region hin. Geschichtlich gesehen waren es zwei Sprachen des Ersten Deutschen Reiches. Prag und Wien waren lange Zeit die Hauptstädte dieses Reiches. Bielitz sprach also Deutsch und Tschechisch. Ach ja, und was suchen die Polen heute in Bielitz? Darauf habe ich schon mehrfach hingewiesen. Die Sprache der Region war die altslawische Slonsko-Slezsko-Sprache, die zusammen mit Deutsch im Land gesprochen wurde. Polnisch wurde im Ostoberschlesien bis 1922 nie gesprochen.

      Erst durch das Bemühen des Breslauer Bischofs Bogedain kam Polnisch nach Oberschlesien. führte Mitte des 19. Jahrhunderts Polnisch als Schulsprache ein. Es gab zuvor keine Notwendigkeit, die polnische Sprache in Oberschlesien zu verbreiten. Es war die Idee des Bischofs, der damit die Position der katholischen Kirche in der Region stärken wollte. Aufgrund dieser deutschen Kurzsichtigkeit konnte sich zuerst Polnisch und später Polen in Oberschlesien etablieren. Die Oberschlesier hatten zuvor gar kein Bezug zu Polen. Polen war immer für die Oberschlesier Ausland.

      https://t.me/schlesien_szlonsk/21915
      https://t.me/schlesien_szlonsk/18387
      https://t.me/schlesien_szlonsk/8166
      https://t.me/schlesien_szlonsk/8120

      Quelle:
      https://t.me/schlesien_szlonsk/26565

    • #3452
      bhn
      Administrator

      Die geschichtliche Lage Polens wird als besonders ungünstig beschrieben.
      „Polen, unser Nachbarland im Nordosten, eingeklemmt zwischen machthungrigen Staaten, war häufig Spielball der Geschichte und immer wieder Kriegsschauplatz.“
      Dieser Einschub ist in jeder Hinsicht unsachlich, überzogen und ungerechtfertigt. Er dient lediglich der Generierung politisch korrekter Sichtweisen. Wie immer geht es darum, die Polen nicht als Tätervolk erscheinen zu lassen. Schließlich ist jedes Land „eingeklemmt“. Deutschland beispielsweise zwischen Frankreich und Russland. Über die „Einklemmung Deutschlands“ wird jedoch nie berichtet. Deutschland wird hingegen immer als Angreiferstaat dargestellt, was insgesamt gesehen in keiner Weise gerechtfertigt ist. Auch ein Verweis auf das Jahr 1939 erweist sich als fraglich, wenn man alle Umstände der Lage vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bedenkt. Und wie viele Kriege hat Polen selbst ausgelöst? Ja, den Polen wird es eben einfach verziehen, man versucht es zu verstehen. Den Deutschen hingegen nicht.

      Im Mittelalter richteten sich die polnischen Expansionsgelüste auf den Süden und Südosten. Erst der innere politische Zerfall des Landes führte zu dessen Teilung. Die Teilungen Polens waren auf das politische System und die Interessenlage der polnischen Magnaten zurückzuführen. Jeglicher Hinweis auf eine aggressive Haltung Preußens ist ein Griff in die propagandistische Trickkiste. Zur Veranschaulichung der polnischen Expansion und der eingesetzten militärischen Gewalt eignet sich der vorherige Beitrag unter https://t.me/schlesien_szlonsk/26563 gut.
      Leider geht der Bericht mit keinem Wort auf die politische Lage Ostoberschlesiens zwischen 1922 und 1939 ein.

      In Bezug auf die Kriegsgräbervorsorge beschränkt sich der Bericht auf die Beschreibung der Ausgrabungen. Die Umstände der vorgefundenen Lage sowie die Ablehnung der polnischen Behörden gegenüber der Arbeit der Deutschen wurden zwar angesprochen, aber nicht bewertet.

      „Der entscheidende Tipp kam – wie häufig – von einem Zeitzeugen, der heute über 90 Jahre alt ist. Er erinnert sich noch gut daran, wie er als Jugendlicher dabei half, die Soldaten zu begraben. Doch der Gedenkstein führte zunächst auf die falsche Fährte: Später sollte sich herausstellen, dass dieser Stein in kommunistischer Zeit versetzt worden war.“

      Wir lesen also, dass seitens der polnischen Institutionen kein Interesse besteht. Vielmehr kommt eine große Abneigung gegenüber der deutschen Kriegsgräberfürsorge zum Ausdruck.
      „Erst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs durfte der Volksbund dort die Arbeit aufnehmen und nach ihren Gräbern suchen. … Der Volksbund arbeitete dort schon 1996/97 unter schwierigen Bedingungen.“
      „Inzwischen ist alles überbaut worden. … ein Zeitzeuge, der ihm die Lage der Gräber zeigen konnte.  Auf dem idyllischen Platz mitten im Wald stand ein Ausflugsrestaurant. Über den Friedhof hatte man eine Betonplatte gegossen und darauf das Restaurant gebaut. Heute erinnert daran nur noch eine graue Ruine.“

      Quele:
      https://t.me/schlesien_szlonsk/26566

    • #3453
      bhn
      Administrator

      Ein weiterer Aspekt der massiven Unterdrückung der Wahrheit folgt nun.
      „Der Zeitzeuge hatte 1945 geholfen, Gefallene beizusetzen; Bilder und Dokumente, die davon zeugten, hatte er in einer Kapelle versteckt. Doch bis heute hat der Volksbund von der Denkmalschutzbehörde keine Genehmigung bekommen, in dieser Kapelle zu suchen.  Der Mann erinnert sich daran, dass damals Kreuze dort gestanden hätten, doch schon kurz nach dem Krieg sei alles eingeebnet worden.… Der Friedhof wurde mit einem Campingplatz überbaut.“

      Die Polen lassen nicht zu, dass ihnen geschichtlich-völkerrechtliche Vorwürfe gemacht werden. In Polen gehört es zum weit verbreiteten „Wissen“, dass nicht die Polen, sondern ausschließlich alle anderen die Angreifer und Menschenschlächter waren. Diese Indoktrination wird in Schulen und Medien des Landes bis heute aufrechterhalten. Jede gegenteilige Behauptung wird als Kränkung und Besudelung des gesamten polnischen Volkes aufgefasst.

      Die Aussage „Als der Krieg auf die Angreifer zurückschlug“ entspricht der gängigen Geschichtsdarstellung.

      Über den Bielitzer Dialekt wird berichtet unter:
      „Hajmetsproch – die Sprache des alten Bielitz“ – Silesia News

      Hajmetsproch – die Sprache des alten Bielitz

      Nur eine Handvoll Menschen sprechen heute noch den Bielitzer Dialekt. Das Jahr 1945 markierte das Ende der Bielitz-Bialaer deutschen Sprachinsel und somit grundsätzlich auch das Ende des aktiven Gebrauchts einer Sprache, die sechseinhalb Jahrhunderte lang im schlesisch-galizischen Grenzland beheimatet war.

      Die Bielitzer Sprachinsel entstand im späten 13. Jahrhundert infolge einer Besiedlungsaktion der Herzöge von Teschen

      Sechseinhalb Jahrhunderte lang war der Bielitzer Dialekt im schlesisch-galizischen Grenzland beheimatet 

      Kommentar unter:
      https://t.me/schlesien_szlonsk/23369
      https://t.me/schlesien_szlonsk/23370

      Quelle:
      https://t.me/schlesien_szlonsk/26567

Ansicht von 3 Antwort-Threads
  • Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.