Generation „No Future“ gab es bereits vor 100 Jahren

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      bhn
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      „Mein Großvater (Großvater des Autors Rainer Mohr), geboren 1903 in Oberschlesien, war ein verfluchter Jahrgang. Von Inflation bis russischer Kriegsgefangenschaft begegneten ihm die Gräuel seiner Zeit. Er hätte allen Grund gehabt, sich zur verlorenen Generation zu zählen. Ausgerechnet der Komiker Otto konnte ihn zum Lachen bringen.“

      Rainer Mohr

      https://www.achgut.com/artikel/generation_no_future_gab_es_bereits_vor_100_jahren

      Kommentar:
      Ein sehr lebensnaher Bericht! Das Leben in Oberschlesien wurde darin sehr gut eingefangen. Ich selbst bin ein Kind der 50er Jahre und habe erst die 60er Jahre bewusst miterlebt.
      Zu diesem Zeitpunkt waren seit dem Krieg bereits 20 Jahre vergangen. Die örtliche Gesellschaft war damals noch intakt. Die Kontakte nach Deutschland waren eingeschränkt. Die Schlesier im Ort waren unter sich und bildeten eine intakte Gemeinschaft. Die Gebiete, aus denen Menschen in großer Zahl vertrieben wurden, begannen ab der übernächsten westlich gelegenen Ortschaft.
      Dennoch kam es nach dem Frontabzug im Januar 1945 zu zahlreichen harten Repressionen und Racheakten der polnischen Machthaber gegenüber der einheimischen Bevölkerung.

      In dem Bericht wird der „Verlust von Haus und Hof“ nur unspezifisch angesprochen.
      Weiter heißt es, die Frau habe ihren Hof bei ihrer Ankunft besetzt vorgefunden, praktisch sei sie somit enteignet worden. Bereits am Tag ihrer Ankunft habe sie erneut fliehen müssen, um „Racheakten der neuen Bewohner zu entgehen“.
      Es wird auch kurz über die Ablehnung der „Flüchtlinge aus dem Osten“ berichtet. „Wie Flüchtlinge aus dem Osten seinerzeit von den Westlern behandelt wurden, wäre ein eigenes Thema.“

      Im Bericht wird mehrfach das Wort „Flüchtlinge aus dem Osten“ verwendet. „Verlust des Hauses und des Hofes“, der bei der Ankunft „besetzt, praktisch enteignet“ war.

      Überrascht hat mich die überzogene Vorsicht bei der Darstellung der damaligen extremen Gewaltakte. Dies ist umso erstaunlicher, da der Bericht ansonsten einen guten Einblick in das Leben in der unmittelbaren Nachkriegszeit bietet.
      Ein guter Bericht darf weder politische Zurückhaltung noch eine politisch gefärbte Wertung enthalten. Er muss den Lauf des Lebens sachlich wiedergeben. Andernfalls erhalten wir einen nachbearbeiteten, gesellschaftspolitisch sauber polierten und die Realität verfälschenden Rückblick auf eine Zeit, die es in dieser nostalgisch verherrlichenden Form nie gegeben hat.

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