Der Kampf um Oberschlesien

Was schreibt Wikipedia über die Volksabstimmung in Oberschlesien 1921?

„Die Volksabstimmung in Oberschlesien (auch Plebiszit in Oberschlesien genannt) fand am 20. März 1921 in Folge des Versailler Vertrages statt. Sie hatte die Frage der territorialen Zugehörigkeit eines Teiles der preußischen Provinz Oberschlesien zum Gegenstand und führte letztlich zur Teilung Oberschlesiens und zur Abtretung von Ostoberschlesien an Polen. Die Abstimmung wurde von der Interalliierten Regierungs- und Plebiszitskommission für Oberschlesien durchgeführt, die hierfür im Rahmen einer zeitlich befristeten Autonomie von Februar 1920 bis Juli 1922 die Regierungsgewalt im betroffenen Gebiet ausübte.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Volksabstimmung_in_Oberschlesien_1921

Diese Sichtweise ist zwar formal korrekt, spiegelt jedoch nicht die dahinterstehenden Triebkräfte und wahren Absichten der Sieger wider.

„Das Abstimmungsgebiet umfasste große Teile der Provinz Oberschlesien, jedoch ohne die westlichsten Kreise Grottkau, Neisse und Falkenberg, nur den östlichen Teil des Kreises Neustadt O.S., ohne das zum Landkreis Ratibor gehörende Hultschiner Ländchen und unter Einbeziehung eines Teils des niederschlesischen Kreises Namslau.“

Hier stellt sich die Frage, nach welchen Kriterien die Grenzen des Abstimmungsgebiets festgelegt wurden und warum die vorwiegend deutschorientierten Gebiete Oberschlesiens nicht an der Abstimmung teilnehmen durften.

Selbstverständlich beanspruchte Polen die größtmöglichen Landesteile für sich, wobei es ein besonderes starkes Interesse an der oberschlesischen Montanindustrie hatte. Schließlich war Oberschlesien zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach dem Ruhrgebiet das zweitgrößte Industriegebiet der Welt. Zu diesem Zeitpunkt war England bereits aus dem Spiel und Amerika war gerade dabei, die Spitzenposition zu belegen.

Um das Endergebnis nicht zu gefährden, beanspruchte Polen die deutsch geprägten westlichen Teile Oberschlesiens nicht. Eins sollte uns klar sein: Hätten sich 51 Prozent der Oberschlesier für Polen entschieden, wäre eine Teilung Oberschlesiens gar nicht infrage gekommen. Dann hätten die Franzosen das gesamte Abstimmungsgebiet den Polen zugesprochen. Die Teilung nach der Abstimmung, bei der sich 60 Prozent für den Verbleib bei Deutschland entschieden, und die Abtrennung des wertvollen östlichen Industriegebiets waren somit lediglich in den revanchistischen Gelüsten der Franzosen sowie den polnischen Expansionsbestrebungen begründet.

Die meisten unbefangenen Experten sind der Ansicht, dass das Ergebnis der Volksabstimmung zu stark zugunsten Polens ausgefallen ist. Die harte Propagandaschlacht, die das Plebiszit begleitete, sowie die von den Franzosen dominierte Plebiszitkommission wirkten sich entsprechend aus. Die Polen hatten schon vor der Abstimmung viel mehr versprochen, als sie später einzuhalten bereit waren. So wurde beispielsweise das Autonomiestatut für Oberschlesien noch vor der Volksabstimmung verabschiedet und Anfang der 1930er Jahre ausgesetzt. Warschau hat also einer Region, die so gut wie nie zu Polen gehörte, einen „Autonomiestatus” verliehen. Ist das kein Beweis für die aggressive Haltung eines Nachbarstaates? Leider hat Polen nach 1945 „vergessen”, diesen Lockvogel aus der Zeit des Plebiszits wiederzubeleben.

Vergleiche mit dem Beitrag unter: https://www.silesia-news.de/2020/07/23/100-jahre-autonomie-der-woiwodschaft-schlesien/: „Im Juli 1920 räumte der Warschauer Sejm Ostoberschlesien einen Autonomiestatus ein.”

Auch die beiden anderen Abstimmungen, die damals in Südostpreußen durchgeführt wurden, fielen mit 92 % bzw. 98 % für Deutschland aus. Darüber spricht man in Polen nie, denn das würde nicht zur polnischen Legendenbildung passen. Dieser massive Zuspruch für Deutschland hat Polen jedoch nicht davon abgehalten, Südostpreußen nach 1945 zu besetzen und die einheimische Bevölkerung zu vertreiben.

Die polenfreundlichen Ergebnisse der Abstimmung in Oberschlesien markieren somit auch die Grenze des polnischen ethnischen Anspruchs – falls eine solche Argumentation überhaupt zulässig ist. Zum Vergleich: Gegenwärtig (Januar 2026) wird viel über Trumps Absichten spekuliert, Kanada an die USA anzugliedern. Haben die USA einen berechtigten Anspruch auf Kanada, nur weil die meisten Kanadier Englisch sprechen? Reicht das aus, um die kanadische Identität, nationale Zugehörigkeit und sonstige Eigenarten der Kanadier zu ignorieren? Wenn nicht, dann dürften bei der Abstimmung auch nur die folgenden zwei Fragen gestellt werden:

  • Soll Oberschlesien bei Deutschland bleiben oder
  • Soll der ‚Freistaat Oberschlesien‘ ausgerufen werden?”

Polen, Tschechen, Slowaken, Ungarn oder Ukrainer hatten in Oberschlesien nichts zu suchen und durften deshalb keinerlei Ansprüche an das Land stellen. Wie kam es also überhaupt dazu, dass Frankreich dem neu gegründeten Polen Oberschlesien überlassen wollte? Und mit welcher verlogenen Begründung streckten die Polen 1945 ihre Hand nach dem restlichen Schlesien aus?

In diesem Zusammenhang sollen wir auf die Lage in Elsass-Lothringen und im Saargebiet sowie auf die von Frankreich mit allen Mitteln unterstützten separatistischen Bestrebungen im Rheinland hinweisen (https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinische_Republik). „Der Begriff Rheinische Republik steht für den kurzzeitigen Versuch einer Staatsgründung separatistischer Bewegungen im Rheinland des Jahres 1923.“
Die Franzosen beabsichtigten damals, alle Gebiete links des Rheins an Frankreich anzugliedern. Oberschlesien war lediglich eine Widerspiegelung dieser Gelüste zugunsten eines französischen Verbündeten. Polen und Frankreich waren schon immer geschichtlich miteinander verbunden, und nach 1918 umso mehr.

Zurück zu Wikipedia:
„Das kleinere, stärker industrialisierte Ostoberschlesien ging an Polen, während der größere, eher landwirtschaftlich geprägte westliche Teil bei Deutschland verblieb.“ Wen wundert diese Teilung noch?

„Die Abstimmung war begleitet von einer Vielzahl gewaltsamer Übergriffe beider Seiten bis hin zu kurzen bürgerkriegsähnlichen Episoden, bei denen nominell unabhängige militante Kräfte in militärischen Formationen aufeinandertrafen. Die Truppen der Plebiszitskommission, der zeitweiligen Regierung des Gebiets, waren auch in diese Auseinandersetzungen verwickelt. Den Kämpfen fielen schätzungsweise einige tausend Menschen zum Opfer.
Diese wie auch weitere aufgrund des Versailler Vertrags erfolgte Gebietsabtretungen lehnte die deutsche Öffentlichkeit nahezu einhellig ab. Zusammen bildeten sie eine der wesentlichen Triebfedern für die Revisionspolitik in der Weimarer Republik.“

Zu diesen Aussagen wurden bereits unzählige Bücher geschrieben.

An dieser Stelle möchte ich auf den seit 1922 in Polen propagierten Kult um die sogenannten „Schlesischen Aufstände” eingehen. In Polen wurde in der Nachkriegszeit eine ununterbrochene Medienkampagne unter dem Motto „Gerechte nationale Erhebung der Schlesier” betrieben. Schon in meiner Jugend war ich übersättigt von so viel Pathos und Heldenberichten über die patriotischen „Aufständischen”. Die Propagandafloskeln waren so offensichtlich verlogen, dass die staatliche Propaganda sie ständig wiederholen musste, um sie jedem einzureden und so am Leben zu halten. Mir war bereits damals klar, dass alles maßlos übertrieben war. Dass dabei fast alles grundlegend falsch dargestellt wurde, ahnte ich allerdings noch nicht.

Schon der Titel „Schlesische Aufstände” ist irreführend. Zwar gab es drei Anläufe, doch nur der sogenannte „dritte Aufstand” war von Bedeutung. Die offizielle Bezeichnung „Schlesische Aufstände” war eine reine Propagandaschöpfung. Darin war kaum etwas „schlesisch” oder „oberschlesisch” und es war überhaupt kein „Aufstand”. Es war ein Versuch Polens, ein reiches deutsches Industriegebiet dem Deutschen Reich zu entreissen und es dem neu gegründeten polnischen Staat einzuverleiben. Dem hat sich Deutschland widersetzt und die polnischen Einfälle abgewehrt. Die Waffen, die Frankreich den Polen zuvor zur Verfügung gestellt hatte, um 1921 die Russen zu besiegen, wurden weiter nach Oberschlesien geliefert. Dies ähnelt der heutigen westlichen Unterstützung der Ukrainer, nur lief damals alles inoffiziell ab. Die Kampftruppen setzten sich hauptsächlich aus polnischen Verbänden zusammen und wurden nur mit einigen oberschlesischen Kollaborateuren verstärkt. https://silesiaweb.net/die-schlesischen-aufstaende/

Das sind keine Nebenaspekte der Ereignisse. In der nationalistischen polnischen Propaganda werden sie jedoch nie erwähnt. Bei den „Schlesischen Aufständen“, genauer dem polnischen Einfall in Oberschlesien, ging es lediglich um die politisch sanktionierte Plünderung der industriellen Reichtümer des Landes. Die „Schlesischen Aufstände” lassen sich jedoch besser in die polnische Sagensammlung über den heldenhaften Kampf der Polen um ihre staatliche Herrlichkeit einordnen.


Quelltext:
https://t.me/schlesien_szlonsk/24125
https://t.me/schlesien_szlonsk/24127

Weiter führende Links:
https://de.wikipedia.org/wiki/Provinz_Oberschlesien
https://www.bpb.de/themen/europa/polen-analysen/139913/analyse-die-bewegung-fuer-die-autonomie-schlesiens-ras


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert