Start › Foren › Mitteleuropa › Oberschlesien › Auf der Suche nach den Toten von Patschkau › Antwort auf: Auf der Suche nach den Toten von Patschkau
Der Text berichtet selektiv, ist aber trotzdem vielsagend.
Der Bericht vermittelt einerseits einen Eindruck von der Arbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V., andererseits fallen zahlreiche Auslassungen auf. Der Bericht beschränkt sich nahezu ausschließlich auf die Ausgrabungen gefallener deutscher Soldaten. Eine Ausnahme bildet die explizite Erwähnung des Schicksals der Juden aus Bielitz nach 1939.
„Der jüdische Bevölkerungsanteil, auch überwiegend deutschsprachig, betrug bis zum Überfall der Wehrmacht 20 Prozent. Mit der Besetzung des Landes ghettoisierten die Nationalsozialisten die jüdische Bevölkerung und deportierten sie später ins Konzentrationslager Ausschwitz, wo sie ermordet wurde.“
Ansonsten schob der Autor eine kurze Geschichtsskizze in den Bericht ein.
„Bielitz. Seit dem ausgehenden Mittelalter gehörte die Stadt zum Habsburger Reich. Im Jahr 1565 war die Amtssprache Deutsch, während im Rest des Gebiets Tschechisch lange die Hauptamtssprache blieb. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich die Tuchweberei zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor der Stadt. Bielitz war die einzige evangelische Stadt in ganz Österreich. Das Stadtbild hat bis heute seinen besonderen Charakter bewahrt.
1920 wurde Bielitz Bestandteil des wiedererrichteten Polen. Die Stadt blieb auch innerhalb Polens mehrheitlich von Deutschen bewohnt. Auch die Bielitzer jüdischen Glaubens – sie machten ein Fünftel der Bevölkerung aus – waren überwiegend deutschsprachig.“
Die geschichtlichen Hintergründe sind in vielerlei Hinsicht charakteristisch für den Süden Ostoberschlesiens. Ja, Bielitz ist eine besonders schön erbaute Stadt. Die Architektur der prunkvoll erbauten Häuser unterscheidet sich deutlich von der der umliegenden Städte wie Teschen oder Pless.
Ich kenne Bielitz genau. Sie liegt am Eingang der Beskiden, einer Gebirgskette, die im Sommer Wanderwege und im Winter Skilifte bietet.
Ich weise besonders auf die Angaben zur Sprache der Region hin. Geschichtlich gesehen waren es zwei Sprachen des Ersten Deutschen Reiches. Prag und Wien waren lange Zeit die Hauptstädte dieses Reiches. Bielitz sprach also Deutsch und Tschechisch. Ach ja, und was suchen die Polen heute in Bielitz? Darauf habe ich schon mehrfach hingewiesen. Die Sprache der Region war die altslawische Slonsko-Slezsko-Sprache, die zusammen mit Deutsch im Land gesprochen wurde. Polnisch wurde im Ostoberschlesien bis 1922 nie gesprochen.
Erst durch das Bemühen des Breslauer Bischofs Bogedain kam Polnisch nach Oberschlesien. führte Mitte des 19. Jahrhunderts Polnisch als Schulsprache ein. Es gab zuvor keine Notwendigkeit, die polnische Sprache in Oberschlesien zu verbreiten. Es war die Idee des Bischofs, der damit die Position der katholischen Kirche in der Region stärken wollte. Aufgrund dieser deutschen Kurzsichtigkeit konnte sich zuerst Polnisch und später Polen in Oberschlesien etablieren. Die Oberschlesier hatten zuvor gar kein Bezug zu Polen. Polen war immer für die Oberschlesier Ausland.
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