Antwort auf: Kontroverse über schlesische Identität im EU-Parlament

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#3509
bhn
Administrator

Noch eine Ergänzung zur vorherigen Ergänzung.
Diesmal geht es um den Inhalt der Aussage der Europaabgeordneten Irmhild Boßdorf (AfD).

Ich freue mich über diese klare Stellungnahme zugunsten der Belange der in der Heimat gebliebenen Schlesier.
Leider hat sich nur in Oberschlesien eine schlesisch-deutsche Minderheit erhalten. Niederschlesien wurde hingegen so gründlich ethnisch gesäubert, dass nach der Vertreibung kaum noch Niederschlesier im Land verblieben sind. Im Raum Waldenburg waren es einige Industriefachleute, die von den Polen aus wirtschaftlichen Gründen einige Jahre in ihrer Heimat gelassen wurden. Anfang der 1950er Jahre verließen die letzten von ihnen das Kohlerevier in Richtung Deutschland.

Und wieder einmal einige ergänzende Hinweise zu Oberschlesien. Die nationale Zugehörigkeit wird nämlich nicht allein durch die gesprochene Sprache bestimmt. Vielmehr stehen hinter der nationalen Einordnung als Pole, Deutscher, Schweizer oder Spanier zahlreiche weitere nationale Charakteristika.
In der Schweiz ist die dominante Volksgruppe deutschsprachig, genauer gesagt wird dort meist Schweizerdeutsch gesprochen. Sind die französisch oder italienisch sprechenden Schweizer also keine Schweizer mehr?
Und wie ist es in Spanien? Sind die Basken oder Katalanen Spanier? Spanisch wird in ganz Lateinamerika gesprochen. Sind Chilenen Spanier und Kanadier und US-Amerikaner Engländer?

Es ist armselig, die Nationalität allein anhand der gesprochenen Sprache zu definieren. Bei den Juden aus aller Welt wird die Nationalität sogar durch die Konfession definiert, die sie praktizieren. Die nationale Zuordnung ist also ein unerschöpfliches Reservoir an Vielfalt.

Und zurück zu Deutschland: Sind Sorben Polen, nur weil Polen Sorbisch verstehen? Sind Slowenen Polen, weil Slowenisch dem Polnischen sehr ähnlich ist? Weiter: Kroaten und Serben sprechen weitgehend eine Sprache, die in Jugoslawien Serbokroatisch genannt wurde. Heute, nach der Trennung, sprechen die Kroaten wieder Kroatisch und die Serben Serbisch.

Ist das Slonskoslawisch, auch „po slonsku“ genannt, eine eigenständige Sprache? Ja, die Polen haben es aus politischen Gründen so definiert, um auf diesem Wege Ansprüche auf ganz Schlesien zu erheben. Dabei ging es ihnen lediglich um die Aneignung des schlesischen industriellen Reichtums. Es wurde sogar behauptet, „po slonsku” sei ein polnischer Dialekt. Sind Sorbisch und Slowakisch auch polnische Dialekte?

Ich könnte endlos weitere Fragen stellen.
Die Nationalität wird durch viele Charakteristika vorgegeben, darunter auch durch die eigene Zuordnung.
Zu einer Nationalität gehören eine gemeinsame Geschichte, ein gemeinsamer Kulturraum und ein offener Austausch innerhalb eines Landes über Jahrhunderte hinweg. Gemeinsame Literatur, Mentalität usw. – all das macht die Nationalität aus. Nur zur Klarstellung: Eichendorff war ein Oberschlesier und als solcher ein Deutscher.

Und nun die Frage: Sind die in der Heimat gebliebenen Oberschlesier schlesische Deutsche oder Polen?

Zu dieser Frage hat sich Frau Prof. Rostropowicz zuletzt kurz, aber treffend geäußert. Ihre Wortmeldung unter https://silesiaweb.net/foren/thema/prof-roztropowicz-ueber-oberschlesische-identitaet/ klärt die Frage der durch Geburt vererbten und durch das Elternhaus weitergegebenen Nationalität der in der Heimat gebliebenen Schlesier eindeutig.

https://t.me/schlesien_szlonsk/27076