Sprachverhältnisse in Schlesien vor dem Ersten Weltkrieg
Schlesien im Jahr 1913.

Die Karte zeigt die räumliche Verteilung der in Schlesien im Jahr 1913 gesprochenen Sprachen. Im östlichen Teil Oberschlesiens wurde damals neben Deutsch auch Slonsko-Schlesisch gesprochen. Auf der Karte ist dies jedoch fälschlicherweise als „Polnisch” eingetragen.
Die Gleichsetzung der von vielen Oberschlesiern gesprochenen regionalen Sprache mit „Polnisch” war und ist eine erhebliche Fehlinterpretation der historischen und sozialen Gegebenheiten dieser Region. Zwar gehörte Schlesien im Mittelalter für kurze Zeit zu Polen, doch die darauffolgende 700-jährige Trennung von der polnischen Krone sowie die ebenso lange Zugehörigkeit Schlesiens zum Deutschen Reich und dessen Kulturraum widersprechen einer Einstufung der in Oberschlesien gesprochenen Sprache als „polnisch” oder gar als „polnischer Dialekt”. Nicht jede Sprache, die die Polen damals nur mit Mühe verstanden haben – wie es bei der damals verwendeten Fassung der slonskischen Sprache der Fall war –, darf als polnisch betrachtet werden, auch wenn der polnische Staat dies aus machtpolitischen Gründen behauptet hat und bis heute behauptet.
Aus billigen propagandistischen Gründen wird bis heute die Sprachenverteilung herangezogen, um den polnischen Anspruch auf „Slask”, also ganz Schlesien, zu begründen. Der von der unmittelbar betroffenen oberschlesischen Bevölkerung angemeldete Widerspruch wurde während der Plebiszitzeit durch politisch organisierten Terror (siehe https://silesiaweb.net/mord-an-theofil-kupka/) und nach 1922 durch weitere harte staatliche Maßnahmen verhindert. Um dies zu belegen, muss die politische Lage in Oberschlesien zur Zeit der Volksabstimmung und in den 1930er Jahren genauer beleuchtet werden. (Vergleiche mit https://silesiaweb.net/das-schicksal-der-deutschen-volksgruppe-in-ostoberschlesien-in-den-jahren-1922-1939/, https://silesiaweb.net/nationale-probleme-in-oberschlesien-im-19-und-zu-beginn-des-20-jahrhunderts/, https://silesiaweb.net/die-polnische-nationalitaetenpolitik-in-der-zwischenkriegszeit/)
Die Nationalität lässt sich nicht allein anhand der gesprochenen Alltagssprache bestimmen. Die Zugehörigkeit zu einer Nation basiert auf der inneren Haltung und einer persönlichen Erklärung. Sie umfasst viele Kriterien, die über die regionale Sprache hinausgehen. Alle Oberschlesier jener Zeit – unabhängig von ihrem sprachlichen Umfeld – empfanden sich als Deutsche, waren deutsch geprägt und schätzten ihre sprachlichen Eigenarten.
Was schreibt Wikipedia unter https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalität darüber?
Der Begriff Nationalität wird für verschiedene Konzepte angewandt: Einerseits steht er im Deutschen für die rechtliche Zuordnung einer Person zu politisch definierten Nationen im Sinne der Staatsangehörigkeit. Andererseits kann die Nationalität auch die Zugehörigkeit zu einer Ethnie oder einer nationalen Identität und dessen Volk über den Begriff der Volkszugehörigkeit beschreiben.
Nationalität als ethnische Zuordnung
„In der DDR wurde der Begriff „Nationalität“ anders als der Begriff nationality im englischen Sprachgebrauch nicht als Rechtsbegriff gesehen, sondern nur als ethnisch-sozialer Begriff. Die „deutsche Nationalität“ im Sinne der DDR-Führung durfte demnach nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit gleichgesetzt werden (Staatsangehörigkeit: DDR, Nationalität: deutsch).“
Die DDR hat damit versucht, ihren eigenen politischen Sonderweg zu rechtfertigen. Der Unterschied zwischen den Begriffen „Nationalität” und „Nation” wurde wie folgt umschrieben:
„Dieser Gesamtkomplex ethnischer Eigenschaften, Züge und Merkmale einer Bevölkerung wird als ‚Nationalität‘ bezeichnet. Der Begriff der Nationalität ist also enger als der Nationsbegriff, denn er umfasst nur eine der Komponenten der Nation und überdies nicht die ausschlaggebende. Der Begriff der Nation ist wesentlich umfassender, denn er umschließt die Gesamtheit der Faktoren. Die Bürger der DDR sind in ihrer überwiegenden Mehrheit ihrer Herkunft, ihrer Sprache, ihrem Lebensgewohnheiten und Traditionen – kurzum ihren ethnischen Eigenheiten, also ihrer Nationalität nach Deutsche.“
Diese Spaltung zwischen „Nationalität“ und „Nation“ erscheint künstlich und in der DDR diente lediglich der Legitimation der eigenen politischen Agenda. Dies bestätigt, dass „Nationalität” im heutigen Sinne ein Begriff der Moderne ist, der ständigen politischen Eingriffen und Korrekturen unterliegt.
Weiter schreibt Wikipedia:
„Volksgruppen konnten nach dem Verständnis des Ostblocks in „sozialistischen Mehrnationalitätenstaaten“ entweder den Status einer souveränen Nation haben oder den einer nationalen Minderheit. In postkommunistischen Staaten besteht bis heute die Praxis, zwischen Staatsbürgerschaft und Nationalität zu differenzieren.“
Warum wird diese Erläuterung auf das „Verständnis des Ostblocks” oder die „Praxis in den postkommunistischen Staaten” eingeschränkt? Es handelt sich doch um einen allgemeinen Brauch.
Prof. Strobel war beispielsweise ein Deutscher aus Lodz. Er gehörte der deutschen Minderheit in Zwischenkriegspolen an. Auch alle Ostoberschlesier sind nach 1922 Deutsche geblieben. Eine politisch motivierte Grenzverschiebung kann aus einem Deutschen, genauer gesagt aus einem Preußen, keinen Polen machen. Damals galt die Nationalität des jeweiligen deutschen Landes und für Schlesier war dies die preußische. Durch die neue Grenzziehung wurden alle „Reichsdeutschen” zu „Volksdeutschen” in Ostoberschlesien. Natürlich versucht die staatlich kontrollierte Propagandamaschine, den Leuten viel Unfug einzureden. An dieser Stelle ist es wichtig, die eigene innere Haltung in einer persönlichen Erklärung laut und deutlich vorzubringen.
Aus der nachfolgenden Diskussion lassen sich weitere Anmerkungen zu diesem Themenbereich entnehmen.
Vergleiche auch mit:


17.12.2025
https://t.me/schlesien_szlonsk/23302
„Die neue Oppelner Tribüne”, eine Zeitung mit oberschlesischem Flair, wagt sich an schlesische Themen aus polnischer Sicht. Es wäre zu begrüßen, wenn die junge Autorin, die vermutlich keine Schlesierin ist, begriffen hätte, was Schlesien einmal war und immer noch ist. Gut, dann folgt meine kurze Einführung in die Schlesienkunde:
Die Schlesier – genauer die Oberschlesier bzw. die ethnische Gruppe der Slonzoki – lebten stets in Frieden mit allen. Die regionale Mehrsprachigkeit störte im Deutschen Reich niemanden und die sprachliche Vielfalt Oberschlesiens war kein Ausschlusskriterium. Alle Slonsko-Schlesier sprachen gerne Slonskoschlesisch, sowohl in der Heimat als auch hier in Deutschland. Kaum ein Oberschlesier, der die lokale Sprache beherrschte, hat sich mit mir in Deutschland lange auf Deutsch unterhalten, sondern ist zügig auf Schlesisch-Slonsko umgestiegen – egal, wie deutschgesinnt die Schlesier waren. Und keiner von ihnen hätte es je zugelassen, als „Pole“ angesehen zu werden!
In den höheren schlesischen Schulen und für eine berufliche Karriere wurde die deutsche Sprache vorausgesetzt, so wie heute von uns Mitteleuropäern Englisch vorausgesetzt wird. Nur spricht heute niemand von einer „Englischisierung“ des Landes, während die kampfbereiten Polen den Schlesiern damals eine „Germanisierung“ einreden wollten.
Die Oberschlesier aller Sprachen lebten lange in Frieden miteinander und liebten ihre bunte Heimat. Doch dann strömten polnische Unruhestifter und Agitatoren aus Krakau in unsere Region. Dann ging es richtig los. Die intoleranten Polen aus einer der ärmsten Regionen Europas begannen, den Oberschlesiern ihre Kultur, Sprache und ihren politischen Kampfwillen aufzuzwingen. Das ist typisch polnisch. Bis heute ist es ein Teil der polnischen Geisteshaltung.
Die gesprochene Sprache einer Region ist nie weniger wertvoll als die einer benachbarten Region. Die Sprache ist auch kein ausreichendes Kriterium für die nationale Zuordnung. Sonst gäbe es beispielsweise kein Volk der Schweizer, sondern nur Franzosen, Italiener und Deutsche in der Schweiz. Die Slonzoki waren also auch gar keine Polen! Sie lebten gerne als Bürger des Deutschen Reiches.
Nach 1922 und 1945 strömten Massen an Polen in unsere Heimat und besetzten alle Schlüsselpositionen der oberschlesischen Gesellschaft. Da die Polen nie tolerant waren und es bis heute nicht sind, begannen sie sofort, uns Schlesier sprachlich herabzusetzen, mentalitätsmäßig umzuerziehen und in jeder Hinsicht zu polonisieren.
Leider haben sich die gutmütigen Schlesier viel zu lange dem gebeugt. In der Schweiz spricht man weiterhin Schwyzerdeutsch und es würde niemandem in den Sinn kommen, die Sprache des Volkes auszulachen oder herabzusetzen. Die Schweiz wurde aber von keinem fremden Volk überrannt und durfte ihre Sprache ungestört pflegen. Und alle Schweizer sind bis heute stolz darauf.
21.10.2025
https://t.me/schlesien_szlonsk/21447
Danke für den Hinweis. Ich ergänze meine Worte mit ein paar weiteren Angaben.
Die Leute passen nicht in irgendwelche Schubladen, das Leben ist vielfältig und verläuft unerwartet.
Zwei Fälle:
Fall 1: Eine Klassenkollegin, deren Mutter nur schlecht Polnisch sprach. Wenn es nur irgendwie möglich war, sprach sie Deutsch, zu Hause sowieso. Die Klassenkameradin konnte selbstverständlich sowohl Polnisch als auch Schlesisch. Entscheidend ist das Umfeld, denn Kinder lernen tatsächlich schnell alle Sprachen. Anfang der 70er Jahre ist die Familie im Rahmen der sogenannten „Familienzusammenführung“ und als Ergebnis des Gierek-Schmidt-Vertrags mit Milliardenhilfe für Polen nach Deutschland ausgereist.
Fall 2: Eine junge Ärztin aus Gleiwitz. Gleiwitz ist in diesem Zusammenhang wichtig, denn die Stadt wurde von Polen zur zweiten schlesischen Universitätsstadt nach Breslau gemacht. Die alte deutsche Ingenieurschule wurde in Gleiwitz zu einem „Politechnikum“ im Rang einer Universität (Technische Hochschule) umgestrickt und ausgebaut. In den herrlichen deutschen Gebäuden wurden viele wissenschaftliche Institute angesiedelt und Gleiwitz wuchs langsam zu einer bedeutsamen Stadt der Wissenschaft heran.
Dafür wurde Gleiwitz umso gründlicher von Deutschen „gesäubert“. Deshalb hatte die Ärztin in ihrer Kindheit wahrscheinlich wenig Kontakt zur einheimischen Restbevölkerung. Auch im Studium traf sie, wie sie selbst erzählt hat, meistens Polen. Deshalb musste die deutschstämmige Ärztin ihre wahre Herkunft verbergen, mit deutscher Abstammung käme sie sonst nicht durch. Als ihre deutsche Herkunft schon im Beruf herauskam, wurde sie so stark gemobbt, dass ihr einziger Ausweg darin lag, Polen zu verlassen. Und das ist eine wahre Geschichte aus Gleiwitz nach Willy Brandts Schlesien-Schenkung.
Sie war mit einem Bergbauingenieur verheiratet, einem echten Slonzok mit Herz und Seele. Trotzdem sprach sie nur Hochpolnisch, es war eben ihre erste Sprache. So ist es nun mal gelaufen. Ihr Deutsch war auch nur mittelmäßig, trotz ihrer familiären Vorgeschichte.
https://t.me/schlesien_szlonsk/21453
Zum Abschluss des Themas möchte ich noch zwei weitere Fälle nennen.
3.
Ein Oberschlesier, der 1945 nach Westdeutschland geflüchtet ist, also der Generation meiner Eltern angehörte, sprach mit mir hier in Deutschland nur Slonskoschlesisch. Das hat er mit sehr viel Spaß gemacht. Polnisch hat er nicht gesprochen. Wahrscheinlich hat es ihn an seine Jugend in Oberschlesien erinnert.
4.
Eine Frau, die Mitte der 1960er als etwa 20-Jährige aus Schönwald nach Deutschland umgesiedelt ist. Ihr Deutsch war perfekt, aber sie sprach kein Wort Po-Slonsku. In der Schule in Schönwald (Bojkow bei Gleiwitz) hatte sie Polnisch gelernt und nie ein slonskoschlesisches Wort gesprochen.
Also gab alle möglichen Sprachkombinationen. Heute alles nur noch Geschichte.
https://t.me/schlesien_szlonsk/21457
Was noch fehlt, ist der Hinweis auf alle denkbaren Mischformen der gesprochenen Sprache.
Hierzu verweise ich auf den ein paar Jahre alten, aber die Sprachverhältnisse gut wiedergegebenden Text unter https://silesiaweb.net/soziale-bedeutung-von-slonsko-godka-sprache/. In dem Beitrag wird leider nicht immer sauber zwischen „Slonsko-Schlesisch“ und „Polnisch“ unterschieden, ansonsten wird das sprachliche Phänomen aber gut beschrieben.
„Die wohlhabenden und gebildeten Eliten der Gesellschaft sprachen in der Regel Deutsch, jedoch beherrschte kaum jemand ein fehlerfreies Deutsch. Die ärmeren Schichten, darunter Grubiorze und Gospodorze, sprachen Slesianisch und verwendeten dabei viele deutsche Sprachrelikte. Reiter gibt ein Beispiel für einen authentischen Satz mit einem relativ gleichen Anteil an polnischer und deutscher Sprache: „Mach dem Kanarek mat die klatka auf, da kann er rein- und raushopsać.” In vielen Fällen überwog der Anteil des Deutschen gegenüber dem Polnischen. Im nächsten Beispielsatz entspricht die Anzahl der deutschen Einfügungen dem, was im ślońsko gotka bis heute erhalten geblieben ist: „Maryjko ty staro kryko, ty mos tyn pysk jak stary wertiko.” Als Germanismen erkennen wir hier die Wörter „kryka” (Krücke) und „wertiko”. Man müsste sich die historischen Umstände genauer ansehen, die zu einer so starken deutschen Prägung der in Schlesien umgangssprachlich verwendeten Sprache geführt haben.“
„Die Vermischung von Deutsch und polnischem Dialekt, deren Ausmaß von der Situation, den beteiligten Personen und der sozialen Stellung abhing, gab es in verschiedenen Varianten. Das funktionierte, weil die Bevölkerung in diesem Gebiet seit vielen Generationen miteinander vertraut war. Das hätte nicht funktioniert, wenn es in Oberschlesien eine nationale Polarisierung zwischen der deutschsprachigen Bevölkerung und denen gegeben hätte, die zu Hause Silesisch sprachen. Es gab lediglich soziale Unterschiede hinsichtlich Beruf, Bildung, Verhalten und Konfession. Nationale Unterschiede gab es jedoch nicht. Nationale Unterschiede kamen von außen nach Schlesien. So scheiterte in den Augen der Schlesier auch die von den nationalsozialistischen Behörden in Berlin unterstützte Aktion, in deren Verlauf 1938 alte schlesische Ortsnamen und Familiennamen germanisiert wurden. In der schlesischen Bevölkerung setzten sich die neuen, fremden Namen nicht durch, und man verwendete weiterhin die traditionellen Namen und Nachnamen. Auch die polnischen Behörden verfolgten in der Zwischenkriegszeit und besonders intensiv in den Nachkriegsjahren eine Politik der bedingungslosen Polonisierung Schlesiens und seiner Traditionen. Die Beschreibung dieses Themas würde jedoch den Rahmen dieses Beitrags sprengen.“
10.9.2025
https://t.me/schlesien_szlonsk/19949
Das Schicksal der deutschen Volksgruppe in Ostoberschlesien in den Jahren 1922-1939
https://silesiaweb.net/das-schicksal-der-deutschen-volksgruppe-in-ostoberschlesien-in-den-jahren-1922-1939/
http://www.youtube.com/watch?v=PCv78upJFcI
Referent: Frank Keitsch (Autor)
https://t.me/schlesien_szlonsk/19964
In Ergänzung zum obigen kurzen Text mit dem Hinweis auf neue Links auf SilesiaWeb.net möchte ich der Gruppe folgende Frage stellen:
Wie kamen die Deutschen Ende des 19. Jahrhunderts und teils noch nach 1945 darauf, die Oberschlesier, die privat Slonsko-Slawisch sprachen – manche sogar trotz ihrer polnischen politischen Orientierung –, als „Polen“ zu bezeichnen? Seit wann entscheidet die Haussprache über alles? (silesiaweb.net/soziale-bedeutung-von-slonsko-godka-sprache/ oder https://silesiaweb.net/ueber-die-polnischsprachigen-deutschen-oberschlesiens/)
Die Argumente gegen eine solche irreführende Verkürzung habe ich hier schon einige Male vorgetragen. Langsam werden mir die verheerenden Folgen dieser deutschen Fehlinterpretation immer klarer.
Sicher, polnische Agitatoren aus Krakau und Posen haben noch vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs solche Thesen in Oberschlesien mit Nachdruck verbreitet (siehe https://silesiaweb.net/die-preussische-kulturkampf-und-siedlungspolitik-in-den-ostgebieten/ und https://silesiaweb.net/nationale-probleme-in-oberschlesien-im-19-und-zu-beginn-des-20-jahrhunderts/ sowie viele andere Artikel auf https://SlesiaWeb.net).
Warum haben die Deutschen aber der polnischen Desinformation und dem Drängen nachgegeben und die polnische Sicht ohne Wenn und Aber in das eigene Denkmuster integriert?
Sind Slowaken Tschechen oder Sorben Polen, Kroaten Serben oder Basken, Katalanen oder Mexikaner Spanier? Sind echt Slonzoki Polen?
11.8.2025
https://t.me/schlesien_szlonsk/18608
Hier stelle ich eine kurze Geschichte vor, die gut zu unseren Ausführungen über die Zuordnung unserer oberschlesischen Sprache passt.
Beruflich hatte ich Kontakt zu einer Arbeitskollegin aus Indien, die Hindi sprach, und zu einer anderen aus Pakistan, die Urdu sprach. Die beiden kamen immer vorzüglich ins Gespräch, da sich die beiden Sprachen kaum unterscheiden. Die Unterschiede beschränken sich im Wesentlichen auf die Transkription und die Landzugehörigkeit.
Als ich die Namen der beiden Sprachen einmal beim Vorbeigehen vertauschte, bekam ich sofort eine klare Antwort: „Ich spreche doch kein Hindi, ich spreche Urdu.“ Da ist also nationaler Stolz im Spiel, dachte ich.
Ich behaupte, dass sich die schlesisch-slonsko Sprache, wie sie sich geschichtlich frei entwickelt hat, also in der noch nicht polonisierten Fassung, so wie sie meine Großeltern noch sprachen, sowohl im Wortschatz als auch in der Grammatik und Aussprache, viel stärker von Polnisch unterschieden hat als Urdu von Hindi.
Wenn ich also darauf hinweise, dass die Oberschlesier in der Kaiserzeit nicht Polnisch, sondern eine eigene Landessprache besaßen und sie sprachen, die von Polen größtenteils auch nicht verstanden wurde, dann entspricht diese Behauptung einem weltweiten Standard und gilt als ausreichend begründet.
Urdu gegen Hindi
Urdu und Hindi sind zwei Varianten derselben Sprache. Obwohl sie relativ die gleiche Sprache sind, haben sie zwei unterschiedliche Schreibsysteme.
Sowohl Urdu als auch Hindi haben den gleichen Sprach Ursprung. Beide Sprachen stammen aus Sanskrit. Aus diesem Grund haben sie die gleiche Indic -Basis und haben eine ähnliche Phonologie und Grammatik.
Der Hauptunterschied zwischen den beiden Sprachen ist ihre Assoziation. Hindi ist eine Sprache, die von Hindi, der einheimischen und führenden Bevölkerung Indiens, verwendet und gesprochen wird. Andererseits ist Urdu mit Pakistan und Muslimen verbunden.
Hindi wird hauptsächlich in Indien gesprochen und dient als Staatssprache. Gleiches gilt für Urdu in Pakistan, wo es eine Landessprache ist.
Aus: https://de.diffexpert.com/article/difference-between-urdu-and-hindi
9.8.2025
https://t.me/schlesien_szlonsk/18567
Zum gestrigen Meinungsaustausch über die Sprachverhältnisse mit regionalem Schwerpunkt Oberschlesien.
Uns interessiert die damalige Realität Oberschlesiens als Teil Mitteleuropas. Die Realität war in diesem Teil Europas sprachlich und ethnisch vielfältig. In und um Oberschlesien gab es Deutsch und Slawisch-Schlesisch. Ab Krakau gab es Polnisch, in Sosnowitz bereits Russisch, Jiddisch, Slowakisch, Tschechisch, Märisch, Ungarisch, Kujawien-Masurisch, Romani, Slowakisch und Sorbisch. Habe ich hier noch etwas vergessen? Etwas weiter weg gab es Slowenisch, Rumänisch, Kroatisch und bald auch Italienisch.
Das Deutsche Reich war weitgehend monoethnisch geblieben, verfügte jedoch über eine 1000-fache Vielfalt an deutschen Dialekten. Nur Preußen brachte polnische Sprachminderheiten in Westpreußen und im Posener Land sowie slawisch-schlesische in Oberschlesien mit. Das waren die damaligen sprachlichen Realitäten Mitteleuropas.
Punkt 2: Für das Verständnis der vorliegenden Lage ist es entscheidend, dass auch schon damals mehrfache Identifikationen vorlagen. Gewöhnlich identifiziert sich jeder von uns mit mehreren Gruppen gleichzeitig. Nationale Zugehörigkeit, regionale Identifikation, ethnische Zugehörigkeit, mehrfache sprachliche Vielfalt, konfessionelle, örtliche und berufliche Zugehörigkeit usw.
– man war beispielsweise ein Deutscher aus Schlesien mit oberschlesischen Wurzeln, sprach im privaten Umfeld oft Sorbisch, war beruflich ausschließlich deutschsprachig, katholisch und arbeitete als Bergmann in Gleiwitz. Kann hierzu jemand einen Widerspruch finden? Ich nicht.
8.8.2025
https://t.me/schlesien_szlonsk/18520
Dialekt oder Hochsprache? Eine Landessprache ist nie ein Dialekt. Weder Luxemburgisch noch Schweizerdeutsch sind deutsche Dialekte. Das steht im Gegensatz zu Pfälzisch, Ostfriesisch oder sogar Bayerisch. Sage das mal einem Luxemburger oder Schweizer, dass ihre Landessprachen deutsche Dialekte sind! Dagegen werden sie sich mit allen Mitteln wehren. Die Schweiz und Luxemburg sind politisch von Deutschland unabhängig und kein freies Land erträgt, wenn die Sprache des Landes zum fremden Dialekt herabgestuft wird. Dagegen Pfälzisch und Bayerisch sind klar deutsche Dialekte.
Bis 1922 in Ostoberschlesien und bis 1945 in Westoberschlesien war die slawisch-schlesische Sprache eine slawische Hochsprache innerhalb des Deutschen Reiches, ebenso wie das Sorbische. Ist Sorbisch ein polnischer, tschechischer oder deutscher Dialekt? Nein, Sorbisch ist eine sorbische Hochsprache. Punkt.
Erst durch den Anschluss Oberschlesiens an Polen hat die polnische Machtzentrale aus unserer Hochsprache „po Slonsku” einen „lächerlichen“ Dialekt der schlesischen Unterschicht gemacht. Die Slonzoki wurden politisch vollständig degradiert und ihre Kultur als „Unkultur“ des Plebs abgestempelt.
Deshalb habe ich als Kind Tausende Male von den noch im Kaiserreich Geborenen (in Ostoberschlesien) gehört: „Nie było to jak za Wilusia” (Unter Kaiser Wilhelm ging es uns viel besser).
https://t.me/schlesien_szlonsk/18526
Zur Verdeutlichung, warum das Schweizer Fernsehen die Nachrichten auf 3sat in deutscher Sprache sendet:
Bis etwa 1995 redeten die Schweizer auf 3sat nur Schwyzerdeutsch. Dann erklärten sie selbst, dass sie zukünftig Hochdeutsch senden werden, um in Deutschland und Österreich besser verstanden zu werden.
Das ist gut so, aber es war eine freie Entscheidung der zu Recht stolzen Schweizer!
Die Schweiz hat sich nach dem Dreißigjährigen Krieg vom Deutschen Reich getrennt und geht seit dieser Zeit ihre eigenen, mehrsprachigen und erfolgreichen Wege.
Schlesien hat seit über 700 Jahren keine Bindung zu Polen. Es wäre also an der Zeit, Slawisch-Schlesisch mit mehr Achtung und Anerkennung zu behandeln.
6.8.2025
https://t.me/schlesien_szlonsk/18387
Wie gelangten das Polentum, die polnische Sprache sowie der polnische Nationalgedanke nach Schlesien? Was hat Polen in Schlesien verloren?
Diese Fragen sind von existenzieller Tragweite, denn die Tatsache, dass Polen die Hand nach Schlesien ausgestreckt hat, hatte gravierende Folgen: Nach 1918 für Oberschlesien und nach 1945 für ganz Schlesien.
Eine angemessene Beantwortung dieser Fragen würde den Rahmen dieses kurzen Beitrags sprengen.
Kurz gefasst: Bis 1918 nichts!
Auf welchem Wege gelangte die polnische Sprache nach Oberschlesien?
Die Antwort lässt sich dem Beitrag https://silesiaweb.net/nationale-probleme-in-oberschlesien-im-19-und-zu-beginn-des-20-jahrhunderts/ ableiten. Der aus Niederschlesien stammende Josef Bogedain, der in Oppeln die Stelle eines Schulberaters antrat, führte Mitte des 19. Jahrhunderts Polnisch als Unterrichtssprache in Oberschlesien ein, da es für die slawisch-schlesische Sprache keine Schriftform gab.
Allerdings hatte die slawisch-schlesische Sprache damals mit Polnisch nicht viel gemeinsam, sodass sich Polen und Oberschlesier kaum verstanden. Meine Großeltern haben sie noch unverfälscht gesprochen. Dann kam die Polonisierung in den Schulen und Medien und damit der Verfall der Originalsprache.
Nach einer sehr kurzen Periode der Zugehörigkeit Schlesiens zu Polen im 13. Jahrhundert folgte die dauerhafte Trennung vom polnischen Staat und die Einbindung Schlesiens in das Deutsche Reich: Zunächst gehörte die Region zu Österreich, später zu Preußen, jedoch stets gemeinsam mit Österreich und Preußen als Teil des Deutschen Reiches. Oberschlesien war kein Teilungsgebiet. Die Oberschlesier hatten eine eigene soziale Struktur, das Arbeitsethos einer hoch industrialisierten Region sowie eigene Sitten, Gebräuche, Mentalität und Sprache. Damit hatten sie eine eigenständige Gruppenzugehörigkeit entwickelt, die vollkommen an die deutsche Leitkultur und Gesellschaft angepasst war. Oberschlesien blieb jedoch katholisch.
5.6.2025
https://t.me/schlesien_szlonsk/15525
Tatsächlich hat die polnische Sprache erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts in Oberschlesien Fuß gefasst. Dies wurde sogar von den deutschen Behörden initiiert und unterstützt.
Jede Sprache besteht aus ein paar Hundert „Grundwörtern” wie essen, laufen, müde, Angst, Stein, Wasser usw.
Der vielfältige Wortschatz einer Hochsprache entwickelt sich sukzessive durch Wortschöpfungen aus den Grundwörtern, zum Beispiel Flugzeug, Müdigkeit, Schriftbild, nachstellen usw. Hinzu kommen festgelegte grammatikalische Regeln und Redewendungen.
Gerade in dieser Phase, in der die eigenständige slawische oberschlesische Sprache die anstehende Entwicklung zur Hochsprache nehmen sollte, kam das Polnische nach Oberschlesien und stoppte die Weiterentwicklung. Die Sammlung der Grundwörter des Slonski unterscheidet sich erheblich von dem Polnischen. Der komplexe Wortschatz und die Grammatik Regeln wurden seit Ende des 19. Jahrhunderts einfach aus dem Polnischen übernommen.
So sehe ich die aufgezwungene Ähnlichkeit zwischen Polnisch und „po slonsku“-Schlesisch.
18.1.2025
https://t.me/schlesien_szlonsk/10278
Hier sind ein paar Gedanken zum Thema:
1. Die lokale Sprache (manche sprechen von einem Dialekt) war für Polen früher kaum verständlich. Zumindest meine Oma konnten die aus anderen Landesteilen Zugezogenen nicht verstehen. Wir, die Enkelgeneration, haben uns jedoch (meist unbewusst) von der lokalen Sprache entfernt und sie verlernt – sei es dank der Schulbildung, dem Einfluss der Medien oder dem politischen Druck. Leider hat sich die lokale Sprache nicht zu einer vollständigen Hochsprache weiterentwickelt. Anstelle von „po Slonsku” nutzen die Oberschlesier bei komplexen Sachthemen Polnisch oder Deutsch.
2. Die Schweiz hat souverän und ohne politischen Druck aus dem Ausland ihre eigene Landessprache bewahrt, die bis heute im Land sehr geschätzt wird.
Zum Nationalbewusstsein der Slonzki lohnt es sich, die Beiträge https://silesiaweb.net/ueber-die-polnischsprachigen-deutschen-oberschlesiens/ oder https://silesiaweb.net/o-polskojezycznych-niemcach-na-gornym-slasku/ zu lesen.
Das Thema müsste man noch detaillierter behandeln.
29.11.2024
https://t.me/schlesien_szlonsk/8120
In geschichtlichen Abhandlungen über die ethnischen Verhältnisse Oberschlesiens sprach man vom „schwebenden Volkstum“ der nicht deutschsprachigen Bevölkerung. Demnach hat sich die Zugehörigkeit zum deutschen Volk bei den Slonzoki erst durch Schulbildung und Karriere verfestigt.
Das Thema ist sehr komplex und vielschichtig. Möglicherweise hat der Anschluss Ostoberschlesiens an Polen im Jahr 1922 den Polen erst Appetit auf mehr gemacht. Die Behandlung der Slonzoki durch die Einführung von Polnisch in OS durch den niederschlesischen Beamten Josef Bogedain zur Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich in der Konsequenz gravierend auf das Schicksal ganz Schlesiens und der deutschen Ostgebiete ausgewirkt.
https://t.me/schlesien_szlonsk/8166
Der Einfluss des aus Niederschlesien stammenden Deutschen Josef Bogedain, der 1848 die Stelle eines Schulberaters in Oppeln übernahm, erwies sich als folgenschwer für Schlesien. Da er erkannte, dass es für den schlesischen Dialekt keine schriftliche Form gab, versuchte er mit aller Kraft – in Übereinstimmung mit den damals propagierten modernen pädagogischen Methoden – die polnische Sprache als Unterrichtssprache in Schlesien einzuführen. Er schlug auch vor, die fehlenden Lehrer aus der Provinz Posen zu holen. Seine Bemühungen stießen jedoch auf den Widerstand der damaligen schlesischen Pädagogen, von denen nur zehn Prozent die polnische Sprache kannten. Die wichtige Frage war, ob der preußische Staat eine dritte Sprache in Oberschlesien einführen sollte, also zu Deutsch und Schlesisch Polnisch hinzufügen, und welche politischen Konsequenzen dies haben würde. Josef Bogedain kommentierte die Lage Ende 1848 wie folgt: „Jeder Versuch, Oberschlesien zu polonisieren, sollte als Verbrechen angesehen werden.” … Die Natur der Schlesier garantiert jedoch, dass ein solcher Versuch misslingen wird.“