Die Geschichte der Oder-Neiße Linie
„Westverschiebung“ und „Umsiedlung“
Kriegsziel der Alliierten oder Polstulat polnischer Politik?
Ein Buch von Michael A. Hartenstein (2018)
- books.google.de/books/about/Die_Geschichte_der_Oder_Nei%C3%9Fe_Linie.html?id=AaF3DwAAQBAJ&redir_esc=y
- www.amazon.de/Die-Geschichte-Oder-Nei%C3%9Fe-Linie-Westverschiebung-Kriegsziele/dp/3957680379
Klappentext
Das vorliegende Buch von Michael Hartenstein beschäftigt sich im wesentlichen mit folgenden Fragen: Wie kam es zur Oder-Neiße-Linie? Wer wollte diese Grenze seit wann und aus welchen Gründen? Wer hat die Oder-Neiße-Linie tatsächlich als Staatsgrenze durchgesetzt und verwirklicht? War im Grunde Hitler schuld an der Oder-Neiße-Grenze und damit an der Vertreibung der Ostdeutschen? Gab es je eine Möglichkeit der Revision dieser Grenze? War die neue deutsch-polnische Grenze als gemeinsamer Beschluss der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges eine Folge der Potsdamer Konferenz?Der Autor stellt die Geschichte der Oder-Neiße-Linie erstmals zusammengefasst von ihrer Vorgeschichte im 19. Jahrhundert bis zur völkerrechtlichen Anerkennung im Jahr 1990 dar. Schwerpunkt des Buches sind die Jahre 1939 bis 1950.Hartenstein kommt zu einem Ergebnis, das der derzeitigen offiziellen Geschichtslesart in Deutschland und Polen nicht gerade entspricht: Die Oder-Neiße-Linie als Westgrenze Polens verbunden mit der Umsiedlung war keine Polen bei der Potsdamer Konferenz verordnete alliierte Lösung eines Grenzproblems, sondern die energisch betriebene Verwirklichung von lange bestehenden und öffentlich formulierten Zielen des polnischen Nationalismus. Der von Deutschland verlorene Zweite Weltkrieg öffnete mit Hilfe der Sowjetunion der Verwirklichung dieser polnischen Ziele ab Jahresbeginn 1945 Tür und Tor.
- www.perlentaucher.de/buch/michael-a-hartenstein/die-geschichte-der-oder-neisse-linie.html
- www.academia.edu/117379973/Rezension_Michael_A_Hartenstein_Die_Geschichte_der_Oder_Nei%C3%9Fe_Linie_Westverschiebung_und_Umsiedlung_Kriegsziel_der_Alliierten_oder_Postulat_polnischer_Politik
Ausschnitte aus dem Buch:
Vorwort
… Die Entstehungsgeschichte der „Oder-Neiße-Linie“ als Grenze war mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges noch nicht abgeschlossen, da es auch noch eine lange Geschichte der völkerrechtlichen Anerkennung dieser Grenze gab.
Auch existierte ein polnischer „Drang nach Westen“ nicht erst seit dem Zweiten Weltkrieg, eine Tatsache, die bisher nicht genügend Aufmerksamkeit seitens der Historiographie erhalten hat.
In diesem Buch wird demzufolge die Geschichte der Oder-Neiße-Linie von ihrer „Vorgeschichte“ in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg bis zu ihrer endgültigen völkerrechtlichen Anerkennung 1990/92 … erstmal in diesem Umfang zusammenfassend dargestellt“
Die Vorgeschichte der Oder-Neiße-Linie
In den letzten Jahrhunderten war das deutsch-polnisches Verhältnis immer wieder belastet, fast immer schwierig und in der jüngeren Vergangenheit von Grausamkeiten, Leiden und Schrecken geprägt, was jedoch allein den Deutschen angelastet wird, ohne den polnischen Beitrag dabei wahrnehmen zu wollen.(3)
(3) Strobel, Die polnische Preußenkrankheit, S. 21
… Im Zuge der Entwicklung des polnischen Nationalismus mischten sich spezifisch polnische Faktoren und Beweggründe mit allgemeineuropäischen Zeitströmungen und Denkmustern. Von den den polnischen Nationalismus tragenden nationalen Ideologien und Mythen sind dabei die polnischen territorialen Ansprüche, der ,,Drang“ nach Westen und zur Ostsee, nicht zu trennen. Ein ,,sowohl auf ethnische als auch auf ökonomische und geopolitische Kriterien abstellender integraler Nationalismus, wie er sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts in ähnlicher Form in vielen Ländern Europas herausbildete, lieferte das ideologische Fundament, auf dem sich das schon vorher verschiedentlich geäußerte Interesse an den Westgebieten in ein Territorialprogramm verwandelte, dessen Verwirklichung für die polnische Nation zur Existenzfrage schlechthin hochstilisiert wurde.“ (5) Es erscheint vor diesem Hintergrund verfehlt, polnische Gebietsansprüche gegen Deutschland allein als Reaktion auf preußische, deutsche oder nationalsozialistische Polenpolitik zu deuten.
(5) Gehrke, Der polnische Westgedanke, S. 2
… Der Staat, der einen Großteil dieser früher zeitweise piastisch- polnischen Gebiete im Westen und Norden besaß, war Deutschland bzw. Preußen. Schlesien, die Lausitz, die Neumark, Pommern, Ostpreußen sowie Teile Westpreußens waren seit Jahrhunderten germanisiert, d.h. von Deutschen bewohnt. Von ,,piastisch“ inspirierten Schriftstellern und Historikern wurde polnischerseits aufgrund der territorialen und ethnischen Gegebenheiten des 19. Jahrhunderts ein von Beginn an bestehender, gleichsam geschichtsnotwendiger polnisch-deutscher Antagonismus konstruiert, eine seit Jahrhunderten ungebrochene Kontinuität deutscher territorialer und ethnischer Expansion zulasten Polens, zusammengefaßt ausgedrückt im Schlagwort vom deutschen ,,ewigen Drang nach Osten“. Insbesondere Preußen wurde als ein ausschließlich durch Gewaltanwendung und Vertragsbruch auf nichtdeutschem Territorium installiertes künstliches Staatswesen, als „Raubstaat“, dargestellt. Im Polnischen wurde für diesen angeblichen Drang das Schlagwort „Zaborczosc“ geprägt, das in etwa „räuberisches Streben nach Expansion und gewaltsamer Beherrschung anderer“ bedeutet. Die deutsche Geschichte in Ostmitteleuropa, insbesondere die deutsche Ostsiedlung des Mittelalters, wurde so im polnischen Bewußtsein regelrecht kriminalisiert. Als Ergebnis dieser historischen Betrachtungsweise entstand ein klar definiertes Feindbild, das am prägnantesten durch das im 17. Jahrhundert entstandene und im 19. und 20. Jahrhundert populäre polnische Sprichwort „Solange die Welt sich dreht, wird der Deutsche dem Polen kein Bruder sein“ ausgedrückt wurde.
… Der polnische Nationalismus war im 19. Jahrhundert am Ende dieser Entwicklung zu einem sogenannten ,,integralen“ Nationalismus geworden, der die eigene Nation zum Gegenstand höchster quasireligiöser Verehrung machte, zum absoluten Wert an sich. Dieser Nationalismus wirkte, bezogen auf die ,,Kulturnation“, nach innen vereinheitlichend und nach außen strikt abgrenzend. Immanent war ihm das irredentistische Element, d.h. der Drang, unter Fremdherrschaft stehende „unerlöste“ Volksteile und Gebiete zu ,,befreien“, wobei die Kriterien dafur, was polnisch war und ist, eher großzügig zugunsten eines großen Polens ausgelegt wurden. Dieser, auf die polnische Kultur- und Sprachnation – das mythische Volk – und die piastische älteste Zeit Polens blickende Nationalismus wird überwiegend als „piastischer“ Nationalismus bezeichnet.
… Die polnische Nationaldemokratie vertrat daher, wie der Historiker Roland Gehrke es formulierte, das ,,Ziel einer möglichst weitreichenden Expansion nach Ost und West“ (9), wobei wahlweise ethnographische, geographische, historische oder kulturelle Argumente verwendet wurden – je nachdem, wo welche Art von Argument einen Expansionsanspruch begründen half. Der polnische Nationalismus, vertreten insbesondere durch die ,,Endecja“, propagierte und popularisierte eine Ideologie der Expansion, ,,die allein den ’nationalen Egoismus‘ als oberste Handlungsmaxime anerkannte und sich an eine üibergeordnete Moral nicht gebunden fühlte“. Bei dieser Handlungsmaxime ,,bedurfte es bei der Festlegung der künftigen Grenzen gar keiner objektiv plausiblen Begründung. Oberstes Ziel war schließlich die Schaffung eines möglichst starken – und das hieß vor allem: eines möglichst großen – Polen, ohne dabei irgendwelche Rücksichten auf andere zu nehmen.“(10)
(9) Gehrke, Der polnische Westgedanke, S. 194
(10) Gehrke, Der polnische Westgedanke, S. 196
Die Entstehung polnischer Grenzansprüche bis zum Ausgang des Ersten Weltkrieges
Polnische Politiker, Historiker, Schriftsteller und Leitartikler, vom „Westgedanken gefesselt, hatten von einer ,Rückkehr urpolnischer Gebiete zum Mutterland‘ und von einer polnischen Westgrenze an Oder und Lausitzer Neiße seit Jahrzehnten geträumt – lange vor Hitler“(16) . Auch panslawistische, eigentlich zunächst in Deutschland entwickelte und dann vor allem von Rußland aus vertretene Vorstellungen gefährdeten die deutsche/preußische Ostgrenze schon seit dem 19. Jahrhundert.(17)
… Letztendlich bereitete den Boden für die Möglichkeit der Errichtung der Oder-Neiße-Grenze der Ausgang des Zweiten Weltkrieges, der die Niederlage und bedingungslose Kapitulation Deutschlands brachte.
Dennoch dürfen expansionistische polnische Stimmen aus der Zeit vor dem Ersten und Zweiten Weltkrieg nicht ignoriert werden, zumal dann nicht, wenn sie einflußreichen Personen des öffentlichen Lebens – Publizisten, Schriftstellern, Wissenschaftlern, Geistlichen, Politikern – gehörten und eine große Popularität sowie den Anschein von wissenschaftlicher Fundiertheit gewannen. „Dies antizipierte so die Potsdamer Territoriallösung von 1945, was von polnischen wie deutschen Publizisten und Historikern entweder nicht wahrgenommen oder gar geleugnet wird.“(20)
(16) Bingen, Oder-Neiße-Grenze, S. 407
(17) Wagner, Der slawische Vorstoß, S. 11 ff
(20) Strobel, Die polnische Preußenkrankheit, S.23


Millionen Deutsche verloren die Heimat, hunderttausende ihr Leben: Manche behaupten, die Oder-Neiße-Linie sei ein Diktat der Siegermächte gewesen. Doch die Wahrheit sieht anders aus, wie Michael A. Hartenstein in seinem Buch „Die Geschichte der Oder-Neiße-Linie“ belegt.
http://www.compact-online.de/oder-neisse-linie-eine-toedliche-grenze/
Rezension: Michael A. Hartenstein: Die Geschichte der Oder-Neiße-Linie: „Westverschiebung“ und „Umsiedlung“ – Kriegsziel der Alliierten oder Postulat polnischer Politik?
Von Katarzyna Stoklosa, Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der TU Dresden
http://www.ssoar.info/ssoar/bitstream/handle/document/35480/ssoar-tud-2007-1-rez-stoklosa.pdf?sequence=1&lnkname=ssoar-tud-2007-1-rez-stoklosa.pdf
Die verlinkte PDF-Datei enthält eine Rezension der ersten Fassung des Buchs Die Geschichte der Oder-Neiße-Linie: „Westverschiebung“ und „Umsiedlung“ – Kriegsziel der Alliierten oder Postulat polnischer Politik? von Michael A. Hartenstein.
Hartenstein hat diese Fassung aus dem Jahr 2006 im Jahr 2014 erweitert; die hier angeführten Zitate stammen aus dieser erweiterten Ausgabe.
Die erste Anmerkung betrifft die Unabhängigkeit der kritischen Bewertung der Autorin der Rezension, Katarzyna Stoklosa. Ihre Kooperation mit dem „Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e. V. an der TU Dresden” ist in ihrer Ausarbeitung deutlich ersichtlich.
Mit einem Verriss des Buches musste man deshalb rechnen – und genau das ist auch eingetreten. Was anderes lässt sich von einer Publikation aus der Reihe „Totalitarismus und Demokratie” schon erwarten? Demnach muss jedes Buch den Vorgaben des vorherrschenden medialen Zeitgeists und den Erfordernissen „unserer Demokratie” entsprechen, sonst wird es eben verrissen.
Das Hauptproblem liegt also in der Freiheit und Unabhängigkeit des argumentativen Gedankengangs. Hartenstein verfährt im Buch genauso und sprengt damit den vorgegebenen Rahmen. Er wird dafür kritisiert, die Vorarbeiten zu wenig berücksichtigt zu haben. Stattdessen geht er selbst auf die Faktenlage ein und wertet sie unabhängig aus. So geht es nicht. Eine solche Methode sprengt die Kohärenz der Geschichtsforschung. Anstatt also dafür gelobt zu werden, dass er einen eigenständigen Beitrag zur Debatte um Kriegsziele und Kriegsgründe liefert, wird der Autor kritisiert, weil er seine Inhalte nicht ausreichend mit den sonstigen politisch korrekten Aussagen verknüpft hat – und das alles im Rahmen einer Publikation des Instituts für Totalitarismusforschung.
Das Interesse am Buch wird dadurch jedoch nicht geschmälert.